Donnerstag, 30. April 2009

The Witcher

Vorletzte Woche stand ich mit einem angebrochenen Gutschein (manche erinnern sich vielleicht^^) im Karstadt und sah das PC-Spiel "The Witcher" für 15 Euro im Regal stehen, direkt neben der Enhanced Version für 25 Euro. Da ich in der GameStar gelesen hatte, dass man die normale Version vollkommen kostenlos auf die Enhanced hochpatchen kann, habe ich einfach mal blind zu gegriffen.
The Witcher wird als "erwachsenes Rollenspiel" gehandelt, hat keine Jugendfreigabe und hatte bei Release mit recht vielen Bugs und Unzugänglichkeiten zu kämpfen. Die letzten beiden Punkte waren wohl auch der Grund, warum ich es damals nicht geholt hatte. Gothic 3 reichte mir als Enttäuschung :>
Nach den ersten Stunden war ich jedoch positiv überrascht, wenn nicht sogar begeistert.

Man spielt Geralt von Rivia, einen so genannten Hexer. Dies sind Monsterjäger, die mithilfe von Alchemie Mutationen in ihren Körpern hervorrufen und somit zu sehr mächtigen Kriegern werden können. Zu Beginn des Spieles wird Geralt umherirrend in der Nähe von Kaer Morhen, der Heimatburg der Hexer, gefunden. Er hat sein Gedächtnis verloren und Erzählungen nach soll er vor Jahren in einer Straßenschlacht umgekommen sein. Ominös. Nach ein bisschen Vorgeplänkel (will nichts verraten) startet man dann alleine in Richtung Vizima, einer der größeren Städte der Welt.
Gespielt wird der Witcher mit Maus und Tastatur, klicken zum bewegen, Third-Person oder isometrische Sicht. Auch das Dialog-System ist dem von z.B. Neverwinter Nights oder Drakensang sehr ähnlich. Antwort wählen, schauen was passiert. Kommen wir zu den Dingen, die The Witcher anders macht:
Das Kampfsystem ist direkter. Klicken auf einen Gegner startet eine Angriffs-Kombo, ein zweiter Klick im richtigen Moment führt sie weiter, ein falscher Klick bricht sie ab. Der Hexer hat 2 Schwerter (Stahl für Humanoide, Silber für Dämonen) mit jeweils 3 Stilen (Stark, Schnell, Gruppe). Je nach Situation sollte man seinen Stil also anpassen. Mit der rechten Maustaste entfesselt man ein so genanntes "Zeichen", die Magie der Hexer. Davon gibt es insgesamt 5, unter anderem eine Schockwelle oder ein kleiner Feuerball. Das spielt sich sehr dynamisch und sehr actionreich, da die Kämpfe kurz, aber intensiv sind.
Ein weiteres großes Spielelement ist die Alchemie. An jeder Feuerstelle kann Geralt sich Tränke zusammen brauen, die seine Fähigkeiten erweitern. Diese Tränke sind im Endeffekt nur starke Gifte, die die Hexer dank ihrer Physiologie ertragen können. Jedoch ist auch diese Toleranz begrenzt, sodass man mit gewissen Elixieren aufpassen muss. Zutaten kann man von Pflanzen und/oder Gegnern sammeln. Sehr cooles System wie ich finde, da die härteren Bosskämpfe diese Tränke definitiv erfordern.
Last but not least: Die Sammelkarten :D Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so gefallen würde. Die Hexer sind aufgrund ihrer Mutationen unter anderem auch unfruchtbar. Ausserdem scheinen sie voller Testosteron zu stecken. Denn Geralt kann auf seinem Weg so ziemlich jede halbwegs gutaussehende Dame angraben und dann auch flachlegen. Damit das ganze nicht zum Hardcore-Porno verkommt, werden diese "Errungenschaften" halbwegs dezent auf einer Karte festgehalten. Witzige Nebenaufgabe sage ich *g*

Die Damen-Karten fügen mit dazu bei, dass "The Witcher" zu einem Erwachsenen-Rollenspiel wird. Ebenso sind die Geschichte und die Welt sehr viel härter als in vergleichbaren Rollenspielen. Zum einen ist es die Gewalt und die Sprache, zum anderen das Flair und die Moral in diesem Spiel. Ich persönlich tue mich mit einigen Entscheidungen echt schwer, da es nicht wie in Neverwinter Knights oder Kotor *das* Gute und *das* Böse gibt. Wen unterstütze ich, wem vertraue ich? An vielen Stellen im Spiel musste man eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die mich persönlich zum grübeln brachte. Ich bin jemand, der sich in diesen Spielen so rechtschaffen wie möglich verhält und alles und jeden zum Glück führt. Das geht in dieser Welt nicht. Rette ich die intrigante und lästerliche Hexe vor dem tobenden Dorf-Mob, der sie verbrennen will, oder helfe ich den leichtgläubigen Bauern, die sich von einem falschen und verlogenen Priester blenden lässt? Für mich persönlich echt schwer :D

Und das begeistert mich an diesem Spiel. Das Gesamtpaket ist sehr stimmig und dank der ganzen Patches (sind fast 2 Gigabyte) auch problemlos spielbar. Die Kämpfe fordern, die Karten und das Tranksystem motivieren. Und ich will wissen, was passiert, ob ich Azar Javed endlich kriege, und was damals mit Geralt wirklich geschah.
Jeder, dem Neverwinter Nights 2 zu lahm war, der aber auf RPGs steht, sollte die 15 Euro investieren. Ansonsten geht vielleicht eines der besten Spiele dieses Genres an ihm vorbei.

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