Dienstag, 13. Januar 2009

Der Messias heilt IT-Hass.

Fast. Okay, die Zeilen sind halb geklaut von Bodo Wartke, aber klingen ganz schön. Die Public-Beta von Windows 7 ist jetzt mittlerweile tatsächlich public, von daher habe ich mir Sonntag Abend einfach mal eine gekrallt und dafür meine XP-Partition platt gemacht. Die Installation ging gewohnt langsam, da Windows 7, genau wie Vista damals, mit der Jumperung meiner IDE-Geräte nicht wirklich grün ist und von daher zwischen den einzelnen Schritten immer so 2-3 Minuten einfach gar nichts passiert. Doch davon lässt ein echter Betatester sich natürlich nicht abhalten, 30 Minuten später war ich stolzer Besitzer von Windows 7 Ultimate 64bit. Die Frage, die sich nun stellt: Wie ist es denn so, das neue Windows?

Windows 7 wird denke ich das beste Windows, was je auf den Markt kam. Nach Vista ist das nicht mehr besonders schwer wird man sagen, jedoch wirkt die Beta jetzt schon sehr ausgereift und benutzbar, mit Abstand runder und fertiger als jedes andere Windows-Produkt. Im Leerlauf braucht 7 ungefähr 600-700 Mb Ram bei mir, wenn ich Programme installiere/surfe/Musik höre geht die Auslastung auf 1/4 (also 1GB) hoch. Hut ab, Vista nimmt sich gut und gerne das Doppelte und mehr. Hinzu kommt, dass 7 nicht mal ansatzweise so träge ist. Weitere Dinge, die mir aufgefallen sind:

Positives:

  • Die neue Taskbar. Vielen gefällt sie nicht, ich mag sie. Statt dem Programm-Namen ist nur noch ein Symbol zu sehen, bei einem Mouse-Over werden in einer Preview alle Fenster gezeigt, die das Programm offen hat. Ein weiterer Mouseover über ein Preview zeigt das Fenster auf dem Desktop, was durch einen Klick nun in den Vordergrund rücken würde. Das ganze geht sehr flüssig von statten, alles andere wäre auch unzumutbar. Aber so ist es entspannend und schnell.

  • Die verbesserte User Account Control. Vista unterbrach jeden zweiten Vorgang mit diesem nervigen "Fade-Out"-Effekt und der Nachfrage, ob man das jetzt WIRKLICH machen will, und dass man dafür ja Admin-Rechte braucht. Die Abfrage blieb erhalten, denn hinter ihr verbirgt sich im Grunde eine gute Idee, die Vista nur so schlecht verpackte, dass der Standard-User (der dadurch eigentlich geschützt werden sollte), sie nach dem dritten Mal blind wegklickte. In 7 ist das ganze dezenter gestaltet, sämtliche wichtigen Vorkommnisse werden durch ein blau-gelbes Schildsymbol indiziert, unterbrechen das Arbeiten in der Regel aber nicht lange und vor allem nicht mehrmals für ein und denselben Vorgang.

  • Die Windows-Sicherheit. Die Firewall fragt nun endlich nach, ob sie ein Programm blocken soll, oder nicht (hier taucht ebenfalls der blau-gelbe Schild auf), aber was noch viel viel besser ist: Keine bekloppten "Ihr PC ist nicht sicher, die Windows-Firewall wurde deaktiviert, wir werden alle sterben!!"-Popups mehr. Im Taskmanager rechts unten ist stehts eine kleine Fahne sichtbar, welche rot markiert ist, sobald Windows glaubt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das Symbol fällt meiner Meinung nach direkt ins Auge, und nachdem man einmal mit der Maus drüber war, sollte man auch als Nicht-Spezialist begriffen haben, was das Ding zu bedeuten hat und dass man darauf achten sollte.

  • Die Widg- ähhh Gagdets. Spielereien, die Microsoft von Apple abgeguckt hat. Die ewige Systembremse aka Sidebar wurde raus geschmissen, der Desktop selber bietet nun Platz für sämtliche Gagdets, und das vollkommen ohne das System nach dem Hochfahren fast 20 Sekunden lahm zu legen. Wer Gadgets nutzt, wird sich freuen.

  • Die Performance. Selbst mit Beta-Treibern von nVidia laufen viele Spiele, egal ob DX10 oder DX9 bereits durchweg gute 10 Frames schneller als beim Vorgänger. 7 fährt schnell hoch und schnell wieder herunter, verschiebt große Dateien zügig, und das, obwohl es zurzeit im Gegensatz zu Vista auf einer IDE-Platte liegt. Wird sich zeigen, ob das nach der "Frisch installiert"-Phase so bleibt.


Negatives:

  • Keine Spaces/multiple Desktops. Unter Linux sind mehrere Desktops, zwischen denen man wechseln kann, seit Jahren Standard. MacOS hat seit letztem Jahr mit Leopard die Möglichkeit, soviele Desktops bereit zu stellen, wie man will. Warum zieht man da nicht nach? Microsoft kündigt als großes Feature die Touch-Screen-Unterstützung an, was wäre praktischer, als mit einem einfachen Fingerwisch auf einen anderen Workspace zu wechseln?

  • Insgesamt zu wenig Mut für Neues. Man zieht mal wieder nur mit der Konkurrenz gleich, bzw. kommt dieses mal nah heran. Die Sache mit den Touchscreens ist ne nette Idee, aber bis das ein Großteil der User nutzen kann, vergehen noch Jahre würde ich tippen. Viel aktueller wäre zum Beispiel die Funktion, mehrere Desktops parallel laufen zu lassen. Immer mehr User haben mehr als einen Monitor zur Verfügung, es kann so schwer nicht sein, zwei Oberflächen laufen zu lassen. Die Grafikkarten haben genug Power und bei CPUs mit 2 oder gar 4 Kernen ist auch genug Rechenleistung da. So könnte man tatsächlich mal effektiv mit zwei Arbeitsflächen hantieren.


Fazit:
Windows 7 ist ein richtig gutes Betriebssystem, schon jetzt im Beta-Status. Für die meisten Windows-Only User wird es die Erfüllung all ihrer Träume sein. Aber auch nur, weil sie bis jetzt ohne Ende gebeutelt wurden und es an sich gewohnt sind, dass die wenigsten Dinge einfach funktionieren und PCs sowieso nur nervig und langsam sind. Doch Windows 7 wird keine Revolution, kein Betriebssystem der Zukunft. Während Microsoft Features anbringt, die bitter nötig und mittlerweile Standard sind, tüfteln die Entwickler von Apple und die diverser Linux-Distros bereits an zukünftigen und modernen Features. Ich als Spieler und PC-Bastler, der Einzelkomponenten über alles liebt, bin (noch) auf Windows angewiesen, und freue mich daher, dass Windows 7 schon quasi vor der Tür steht und ich mit ihm ein tolles neues OS für meine Rödelkiste bekomme ^.^

Keine Kommentare:

Kommentar posten